Pressemitteilung zur vorläufigen Bilanz der Tornadosaison 2026

Es konnte ein weiterer Tornadofall in Balzfeld (BW) bestätigt werden (am 25.10.2026 gg 16:45 Uhr Ortszeit, vorläufige Stärke IF1). Damit liegt die Gesamtzahl 2026 nun bei 35 Tornados für das Jahr 2026.

Bisher 34 bestätigte Tornados / Tornadoausbruch am 19. August 2026 bislang größter dokumentierter Ausbruch in Deutschland

Offenbach, 19. Oktober 2026 – Die Tornadosaison in Deutschland erstreckt sich hauptsächlich von Ende Mai bis September. Mit dem Ende der diesjährigen Hauptsaison zieht der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine vorläufige Bilanz: Bislang wurden 34 Tornadofälle bestätigt. Mehr als die Hälfte davon traten am 19. August 2026 auf. In diesem Jahr startete die Tornadosaison ausgesprochen verhalten. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägten den Sommer 2026 in vielen Landesteilen, sodass nicht nur Gewitter, sondern auch Tornados ausblieben. Bis Mitte August 2026 wurden nur 13 Tornadofälle bestätigt.
Der erste Tornadoverdacht, der 2026 bestätigt werden konnte, stammt vom 03.06.2026. Es handelte sich um eine Wasserhose, die von Borkum aus beobachtet werden konnte. Tatsächlich waren es nicht nur eine, sondern gleich drei Wasserhosen. Damit fiel der erste bestätigte Tornado des Jahres auf einen so späten Zeitpunkt wie seit mindestens 2000 nicht mehr. Der bisher späteste erste Fall ereignete sich am 24.05.2010 (Tornado von Großenhain).

19 Tornados an einem Tag: Bislang größter Tornadoausbruch in Deutschland
Am 19.08.2026 kam es in Deutschland zum bisher größten Tornadoausbruch, der sich in den Aufzeichnungen der Europäischen Unwetterdatenbank ESWD finden lässt (Abbildung 1). An diesem Tag zog ab den frühen Abendstunden bis in die Nacht hinein ein Tiefdruckgebiet von West nach Ost über die Mitte Deutschlands hinweg und sorgte für teils schwere Gewitter, die wiederholt Tornados erzeugten (Abbildung 2).


Abbildung 1: Übersicht über alle Tornadoausbrüche mit Schwerpunkt in Deutschland in der ESWD-Datenbank. Definition Tornadoausbruch: mind. fünf Tornados durch ein und dasselbe Wettersystem, dabei mindesten ein starker Tornado (Stärke IF2 oder stärker). © DWD / ESWD

Abbildung 2: Übersicht zum Tornadoausbruch am 19.08.2026 in Deutschland © DWD / ESWD

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Abbildung 2: Übersicht zum Tornadoausbruch am 19.08.2026 in Deutschland © DWD / ESWDZoom


Die Untersuchungen zu den Verdachtsfällen dauern weiter an. Bisher konnten insgesamt 16 Tornados im Zusammenhang mit dem Gewittertief bestätigt werden. Hinzu kommen ein Tornado bei Fürstenwalde und zwei Wasserhosen bei Norderney am gleichen Tag. Der letzte vergleichbare Tornadoausbruch trat am 18.01.2007 im Zusammenhang mit Orkantief Kyrill auf. Damals gab es 14 Tornados.
Der stärkste Tornado in 2026, der ebenfalls am 19.08. in Ohrdruf (Thüringen) auftrat, wird mit der Intensitätsstufe IF2.5 auf der Internationalen Fujita Skala bewertet, was Windgeschwindigkeiten um 250 km/h entspricht. Die letzten Tornados mit einer Stärke von IF2.5 wurden am 20.05.2022 in Lippstadt und Paderborn registriert.

Vorläufige Gesamtbilanz der Tornadosaison 2026
Die vorläufige Gesamtzahl von derzeit 34 bestätigten Tornadofällen liegt unter dem statistischen Mittelwert der Jahre 2000 bis 2025 von knapp 50 Fällen pro Jahr. Die Bilanz für 2026 ist noch nicht abgeschlossen: Auch wenn die Hauptsaison für Tornados vorbei ist, können bis zum Jahresende noch weitere Fälle hinzukommen, zudem sind zahlreiche Verdachtsfälle noch nicht abschließend bewertet.
Diese werden vom DWD gemeinsam mit weiteren Tornadoexperten im Rahmen von TOREX (Tornadoexperten Verbund Deutschland) Anfang 2027 nachbesprochen. Dabei dürften noch einige Fälle bestätigt werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Tornadosaison 2026 trotz des historischen Tornadoausbruchs vom 19. August insgesamt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben wird.
In Abbildung 3 sehen Sie noch einmal alle wichtigen Zahlen zur Tornadosaison 2026 im Überblick. In Abbildung 4 sind die Tornadofälle nach Bundesländern aufgeteilt.

Abbildung 3: Vorläufige Zahlen und Statistiken zur Tornadosaison 2026 in Deutschland © DWD / ESWD

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Abbildung 3: Vorläufige Zahlen und Statistiken zur Tornadosaison 2026 in Deutschland © DWD / ESWD

Abbildung 4: Vorläufige Tornadozahlen 2026 in Deutschland, unterteilt nach Bundesländern © DWD / ESWD

Abbildung 4: Vorläufige Tornadozahlen 2026 in Deutschland, unterteilt nach Bundesländern © DWD / ESWD


Tornados in Deutschland – Hintergrundinformationen
Dokumentation von Tornadofällen
Die Tornadofälle werden in der Europäischen Unwetterdatenbank (ESWD – European Severe Weather Database) gesammelt, die vom ESSL (European Severe Storms Laboratory – Europäisches Unwetterlabor) betrieben wird. Der erste dokumentierte Tornadofall stammt aus dem Jahr 689. Bis etwa zum Jahr 2000 ist die Zahl der dokumentierten Tornadofälle jedoch noch vergleichsweise gering. Etwa zur Jahrtausendwende verbesserten sich die Möglichkeiten zur Dokumentation und zum Austausch von Beobachtungen deutlich. Dazu trugen insbesondere das Aufkommen der Digitalfotografie und die zunehmende Verbreitung des Internets bei. Tornadofälle konnten nun wesentlich einfacher dokumentiert, mit Bildern belegt und über größere Entfernungen hinweg ausgetauscht werden.

Wie viele Tornados gibt es durchschnittlich in Deutschland?
Zu Statistiken rund um Tornados in Deutschland wurde Anfang des Jahres ein neues Paper publiziert (10.1127/metz/1276). Statistiken sind aus den oben genannten Gründen etwa ab dem Jahr 2000 mit einer belastbaren Datengrundlage erstellbar. Im Mittel gibt es zwischen 2000 und 2025 jährlich 49 Tornados in Deutschland. Dabei gibt es große Schwankungen von Jahr zu Jahr, immer abhängig von den Wetterlagen im Sommer (Abbildung 5).

Abbildung 5: Tornados in Deutschland. Jährliche Verteilung der Fallzahlen zwischen 2000 und 2025 © DWD / ESWD

Abbildung 5: Tornados in Deutschland. Jährliche Verteilung der Fallzahlen zwischen 2000 und 2025 © DWD / ESWD


Rechnet man diese Schwankungen mit ein, so bewegt sich der Erwartungswert zwischen 29 und 69 Tornados pro Jahr. Davon werden etwa 1–9 Tornados im jährlichen Mittel als stark eingestuft, also als IF2 (etwa 220 km/h) oder stärker. Zur Stärkenklassifikation siehe das Thema des Tages, auf der DWD-Webseite. Hinzu kommen im Schnitt 13 IF1/IF1.5-Tornados (ab etwa 150 km/h) und sieben IF0/IF0.5-Tornados (ab etwa 90 km/h). Der größte Teil der Fälle wird allerdings mit „Stärke unbekannt“ geführt. Das kann daran liegen, dass der Fall noch nicht näher untersucht wurde oder es bisher keine Bilder zur genauen Beurteilung vorlagen.
Das räumliche Auftreten von Tornados unterschiedlicher Stärke ist in Abbildung 1 dargestellt. Außer dem gehäuften Auftreten von Wasserhosen an Nord- und Ostsee sowie am Bodensee (blau) zeigt sich, dass überall in Deutschland Tornados verschiedener Intensität auftreten können (Abbildung 6).

Abbildung 6: Tornados in Deutschland. Räumliche Verteilung der Fallzahlen zwischen 2000 und 2025 © DWD / ESWD

Abbildung 6: Tornados in Deutschland. Räumliche Verteilung der Fallzahlen zwischen 2000 und 2025 © DWD / ESWD

Gibt es eine Zunahme der Tornadofälle in Deutschland?
Abbildung 5 zeigt, dass es bei den Tornadozahlen mal schwächere und mal stärkere Phasen gibt. Die aktuelle Datengrundlage liefert keine Hinweise auf eine mögliche Änderung oder sogar Zunahme von Tornados in Deutschland infolge des Klimawandels – weder bei der Stärke noch bei der Anzahl.

Tornado ja oder nein?
Um zu bewerten, ob ein Windereignis ein Tornado oder eine Fallböe war, sind eingehende Untersuchungen der Verdachtsfälle notwendig. Dafür arbeitet die Tornado-Expertengruppe des DWD mit anderen Expertinnen und Experten im Tornadoexperten Verbund Deutschland (TOREX) zusammen.
Erreicht die Tornadoexperten ein Verdachtsfall, werden die eingehenden Informationen aus sozialen Medien, der Presse oder aus privaten Zuschriften bewertet. Anhand des Schadensmusters und im Abgleich mit Bildern der Wetterradare können Verdachtsfälle bestätigt werden – oder eben nicht.

Fachliche Ansprechpartner
Tornado-Expertengruppe des DWD (tornado(at)dwd.de)


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